03.06.2022

Pest, Cholera, Corona: WPII-Kurs mit Landessiegerpreis ausgezeichnet

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Bild: gymnasium-selm.de

Nachdem wir als WPII-Kurs Geschichte/Politik im letzten Schuljahr eine Ausstellung zum Thema „Pest und Corona“ ausgearbeitet hatten, haben wir dieses Halbjahr von einem Wettbewerb des Landes NRW gehört, der sich genau um das Thema dreht: „Pest, Cholera, Corona – etwas Besseres als den Tod findet man überall“.

Man sollte recherchieren, ob in der Nähe der Heimatstadt schon einmal eine Epidemie, sei es Cholera oder Pest, stattgefunden hat, und dazu etwas ausarbeiten. Wir haben unsere Chance gesehen und unser Vorwissen, Originalquellen und die Ausstellung aus dem letzten Jahr als Informationsquellen genutzt und realitätsnahe Tagebucheinträge aus der Sicht von Bürgern erfunden, welche in der Nähe unserer Heimat gelebt haben.

Foto: gymnasium-selm.de

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Am Ende haben wir jedoch nicht geahnt, dass wir damit einen Preis gewinnen würden und freuen uns über die Auszeichnung mit einem Landessiegerpreis.

Hier einige Auszüge aus den Tagebucheinträgen:

Januar 1485

Wir werden bald die Stadt verlassen, wahrscheinlich in zwei bis drei Tagen schon. Die Pest ist auch in Dortmund ausgebrochen und wir wollen uns nicht auf die hiesigen Behörden verlassen. Man hört ja auch immer wieder von ganzen Städten, die zurückgelassen werden und in denen die Menschen einer nach dem anderen verrecken. Diese Strafe Gottes ist wirklich da, um zu zeigen, wie schlecht Menschen eigentlich sein können. Was haben wir nur getan, um all dies zu verdienen? Ich habe viele Gedanken, aber ich sollte sie schnellstens ordnen und viele von ihnen aufgeben, ich muss jetzt packen, sonst schaffen wir es nicht mehr aus den Mauern heraus, bevor diese geschlossen werden. Meine Frau denkt auch, dass es draußen sicherer sein wird, keine Pestkranken mehr und generell weniger Menschen. Wer weiß, ob sie uns trotzdem erreicht, diese gottgesandte Bestrafung? Ich hoffe auch, dass wir genug Kleidung und Proviant haben, um mindestens ein paar Tage zu überleben, bis wir einen Unterschlupf gefunden oder gebaut haben. (…)

Dortmund, im Jahre des Herrn 1494, Dezember

Heute war wieder ein sehr ereignisreicher Tag. Die Pest wütet weiter in Dortmund, und während sich das arme Pack auf den Straßen aufhält und zu Tausenden wegstirbt, bevorzugt das Adelsgeschlecht lieber im Hause zu bleiben und abzuwarten. Außerdem haben wir neulich von einem der besten Ärzte der Stadt ein Heil- und Vorbeugemittel bekommen. Wenn wir seine Kräuter mehrmals am Tag verbrennen und Kleider und Bettwäsche damit räuchern, sollte uns nichts passieren, sagte er. Außerdem hat er uns ein „Pestwasser“ verschrieben, welches im Falle eines Pestfalles in der Familie dem Kranken gegeben werden soll und ihn anschließend heilt. Das heißt, dass uns auch im Falle einer Ansteckung nichts passieren kann.

Dortmund, anno domini 1508, Februar

Heute habe ich den Stadtrat einberufen, um über den aktuellen Stand der Seuche in der Stadt zu beraten. Wir haben uns seit dem Ausbruch vor einem halben Jahr ausschließlich damit beschäftigt und haben lange nach einer Lösung gesucht. Wir haben zum Beispiel folgende Maßnahmen auf den Weg gebracht: Quarantäne der Pestkranken, Kennzeichnung der Häuser, Verbrennung der persönlichen Gegenstände der Pestkranken. Und wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um die Pest in unserer Stadt auszurotten. Das ist uns auch vorübergehend gelungen. Doch seit einigen Wochen geht die Pest wieder wild umher, und es ist schon die halbe Stadt erkrankt. Ein Reisender muss sie hier hinein gebracht haben. Wir dachten wohl, dass wir uns nach all den Anstrengungen jetzt ausruhen können, nachdem die Pest ausgerottet war. Das haben wir jetzt davon.

Juli 1508

Heute bin ich wie üblich durch die Gassen Dortmunds gelaufen. Man musste aufpassen, dass man nicht auf solch armes Pack tritt. Sie liegen alle am Boden wie die Ameisen. Die meisten sind tot, andere wiederum röcheln vor sich hin. Ich bin froh, dass ich Gegenmittel habe. Ich kaufe mir teure Düfte, denn diese schützen mich. Außerdem trage ich ein hochwertiges Tuch, welches ebenfalls mit Düften getränkt ist. Ich hoffe, diese Armutskrankheit endet bald! (…)

Egmond von Lilienthal

1508, Dezember

Heute war ein schrecklicher Tag.

Die Pest verbreitet sich überall, vor den meisten Häusern stehen Wächter, um zu kontrollieren, dass die Pestkranken Zuhause bleiben. Dadurch fühlt man sich natürlich sehr beängstigt, weil man immer der Nächste sein kann, der erkrankt. Meine größte Angst ist, dass sich jemand aus meiner Familie ansteckt. Die einzige Lösung, die mir und meiner Familie bleibt, ist aus Dortmund fortzugehen. Aber jetzt gerade bin ich zu müde, um darüber nachzudenken.

Meine geliebte Sophie,

Es kommt langsam zu uns, die Familie neben uns ist verseucht. Wir packen unsere Sachen und verschwinden von hier. Ich möchte so nicht sterben. Ich kann so noch nicht sterben. Ich muss dich vorher noch einmal sehen und wenn es nur einmal ist. Du bist die Liebe meines Lebens und nun trennt uns dies. Was haben wir getan, um das zu verdienen? Was ist das, woran alle sterben? Was ist diese Krankheit und warum muss sie uns treffen? Warum bestraft Gott uns so? Vergiss niemals, wie sehr ich dich liebe, falls das das letzte Mal ist, dass du von mir hörst. Ich wünsche dir das Beste und werde für dich und deine Familie beten. Ich liebe dich.

Dein Theodor
29.06.1513

September 1739

Heute war ein gar nicht normaler Tag. Wir sind mit der Familie geflohen. Wir mussten das Haus verlassen, bevor wir nicht mehr aus der Stadt heraus können. Es ist merkwürdig, dass wir unser Zuhause, unsere Stadt verlassen müssen. Ich würde so gerne wieder zurück, aber es geht nicht, da die Krankheit sich in der Stadt zu stark ausgebreitet hat. Jetzt sind wir bei einem Freund meines Mannes untergebracht. Aber lange können wir hier nicht mehr bleiben, da sich hier im Ort auch schon ein paar Leute angesteckt haben. Mal schauen, wo wir dann hingehen. Vielleicht zu meiner Mutter. Aber ich habe Angst, dass ich sie auch anstecken könnte. Ich möchte sie nicht verlieren. Ich möchte meine ganze Familie nicht verlieren. Sie sind mir so wichtig. Aber was soll ich nur tun? Wieso kann nicht alles aufhören und alles gut werden, so wie früher?

Fabia

17.10.1739

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin verloren.

Wie geplant bin ich mit Emil in das Haus auf dem Land gezogen, raus aus Dortmund. Es ist nicht besonders groß, jedoch sind oder waren wir ja nur zu zweit. Am Anfang lief alles gut, doch dann passierte alles so schnell. Sein Fieber wurde immer verheerender. Ein paar Tage später kam blutiger Husten hinzu, dann Übelkeit, und ich konnte nichts tun. Er war so schwach und niemand konnte mir helfen. Ich habe doch alles versucht!

Als sich Beulen an seinem Körper gebildet haben, musste ich doch irgendetwas tun! Ich ging also aus dem Haus und suchte ein nahegelegenes Dorf auf. Doch was ich dort sah, war die reinste Hölle. Leichen übereinandergestapelt, Häuser verbrannt und keine Menschenseele zu sehen. Ich ging immer weiter durch den Ort, niemand schien dort zu sein. Jedoch sah ich eine ältere Frau, die vor einem Stapel Leichen saß. Ich ging zu ihr und fragte sie, ob sie mir helfen könnte. Sie war völlig verwirrt und brabbelte unverständliche Worte, jedoch hörte ich daraus, dass alles verbrannt sei, weil alle Menschen an der Seuche erkrankten und niemand mehr da war, um zu helfen. Ich fragte, was man tun könne. Sie antwortete stumm: „Beten!“ (…)

Abends höre ich eure kläglichen Stimmen, wie sie der schwarze Tot langsam einholt. Ich jedoch konnte nur zusehen wie ihr elendig verrecktet. Was soll ich nun tun? Ich habe nichts mehr, ich hatte doch ein schönes Leben, alles war so perfekt! Warum?

Du starbst in meinen Armen, mein kleiner Sohn. Werden sie mich nun als Hexe bezichtigen? Ich sollte beten, aber dies hat mir auch nichts genützt. Wie soll ich mit dieser Last leben. Werde ich jemals wieder neu anfangen können? Überall sehe, rieche und höre ich sie. Jedes Mal, wenn ich meine Augen schließe, sehe ich ihre vor Schmerzen verzerrten Gesichter. Und ihre offenen Wunden und Schreie, diese Schreie!

Eleonore Zimmermann

Geschichte am SGS · Wirtschaft-Politik/ Sozialwissenschaften am SGS

03.06.2022 · Justus Lang

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