01.10.2009
Sozialwissenschaften: Scharfe Kurven und simulierte Sitzung in Düsseldorf
Die Grundkurse Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 nahmen in Düsseldorf auf den Stühlen der Abgeordneten Platz – Bild: Andrea Heming
Am Donnerstag (1.10.) fuhren die beiden Grundkurse Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 per Bahn in die Landeshauptstadt Düsseldorf, um einen Blick hinter die Kulissen von Wirtschaft und Politik zu werfen. Auf dem Programm standen Besuche im Landtag und bei der Düsseldorfer Börse, wo sich auch für die begleitenden Lehrer W. Basfeld, A. Heming und O. Lammers überraschende Einsichten ergaben.
Herr Hülsberg, ehemaliger Makler auf dem Parkett der Regionalbörse Düsseldorf, präsentierte den Schülerinnen und Schülern nicht nur echte Aktien mit Mantelbogen und Anteilsscheinen. Er führte auch ein echtes Fernsehstudio im „Schuhschrank“ vor, das für spontane Livesendungen in zwei Minuten funktionsfähig ist. Vor allem die neue Art des Aktienhandels zeigte nachdrücklich, wie die Technik in viele menschliche Tätigkeiten vorrückt, Arbeitsplätze verändert und Menschen überflüssig macht. Denn was „man“ sich so unter Börse vorstellt – viele Männer in Anzügen und Krawatte, die aufgeregt hin und her laufen, schreien und mit Papieren wedeln – das gibt es heute gar nicht mehr. Der Computer übernimmt schon jetzt den allergrößten Teil und der Handel erfolgt online. Dass auch die bekannte Frankfurter Börse (98% des deutschen Aktienhandels wird hier abgewickelt!) in mehr oder weniger schlichten Büroräumen abläuft und nicht so bewegt ist, wie es im Fernsehen suggeriert wird, war für alle Besucher eine ganz neue Einsicht.
Dann ging es auch schon quer durch die Innenstadt und am Rheinufer entlang zum Landtag. Hier wartete auf die Schülergruppe ein besonderes Programm. Sie nahmen im Plenarsaal die Plätze der Abgeordneten ein und simulierten eine Sitzung. Dabei ging es um die 1. Lesung eines Gesetzesentwurfes zur Änderung des Wahlrechts. Auch zwei andere Schülergruppen waren anwesend. Mehr (oder weniger) lebhaft wurde darüber diskutiert, ob zur stärkeren Berücksichtigung zukünftiger Generationen und zur Aktivierung des Politikinteresses das „Wahlrecht ab Geburt“ eingeführt werden soll. Das SGS glänzte zwar nicht mit lebhaften Redebeiträgen, aber dafür mit einer sehr souveränen Präsidentin. Nebenbei erfuhren die Schüler noch allerhand über den Ablauf von Gesetzgebungsverfahren, die sogenannten Hinterbänkler und die Höhe der Abgeordnetenbezüge.
Um 14.00 Uhr ging es weiter mit dem nächsten Programmpunkt: Rainer Schmeltzer, Landtagsabgeordneter der SPD, war eigens aus Berlin angereist, um mit der Schülergruppe zu diskutieren. Viele Themen wurden angesprochen – von der Selmer Bürgermeisterwahl und die Einführung von Hallengebühren über den Afghanistan-Einsatz deutscher Bundeswehrsoldaten bis hin zum Wahldebakel der SPD. Rainer Schmeltzer räumte ein, dass es hier nichts zu beschönigen gebe, zeigte sich aber hoffnungsvoll für die kommende Landtagswahl im nächsten Jahr. Persönliche Fragen nach Hobbys oder seinem wöchentlichen Arbeitsaufwand wurden auch beantwortet und ließen schnell deutlich werden, dass ein Abgeordneter vor allem eines kaum hat: Freizeit.
Im Anschluss gab es in der Cafeteria des Landtags Kaffee und Kuchen, dann wurde die Rückreise angetreten. Nur für einen gemütlichen Einkaufsbummel auf der Kö fehlte an diesem spannenden Tag in der Landeshauptstadt die Zeit…
Fahrten, Wandertage & Exkursionen · Wirtschaft-Politik/ Sozialwissenschaften am SGS