30.01.2008

Aggressiv im Klassenzimmer

Dieser Artikel ist ein Pressebericht der Ruhr Nachrichten über das SGS. ruhrnachrichten.de/selm

„Okay, bringen wir es hinter uns. Ich gebe euch fünf Minuten. Fünf Minuten, in denen könnt ihr mit mir machen, was ihr wollt!“ Baff, das ist ja mal eine Begrüßung. Jürgen ist neu am Städtischen Gymnasium und besucht das erste Mal seine neue Klasse.

„Ihr dürft wirklich alles machen. Schlagen, schimpfen oder treten. Aber nur fünf Minuten“, so Jürgen weiter. Das war der Auftakt zu einem ungewöhnlichen Theaterstück im Gymnasium zum Thema Mobbing.

Das Theater Kohlenpott war dort gestern zu Besuch und spielte zwei Vorstellungen. Mit großem Erfolg. „Erste Stunde“ heißt das Projekt, mit dem das freie Theater aus Herne durch die Schulen Nordrhein-Westfalens zieht. „Man darf nicht blauäugig sein. Mobbing gibt es an jeder Schule“, so Deutschlehrer Joachim Wittkowski, der schon mehrfach das Theaterspiel in seinen Unterricht mit eingebaut hat. Das Spiel, so Wittkowski, provoziere eine emotionale Ohnmacht. „So beschäftigen sich die Schüler ganz anders mit dem Thema“, meint Wittkowski. Theaterdramaturgin Gabriele Kloke unterstreicht dies: „Wir wollen zwar nicht den Zeigefinger heben, geben aber den Anstoß zum Nachdenken.“

Der 24-jährige Nils Beckmann spielt den neuen Schüler Jürgen, der, wie es der Titel des Stückes verrät, die erste Stunde in seiner neuen Klasse verlebt. „Die Reaktionen der Schüler sind immer unterschiedlich“, verrät Kloke. Körperliche Gewalt oder verbale Entgleisungen seien die beiden Seiten der gleichen Medaille. „Beides ist schlimm“, so die Dramaturgin. 45 Minuten dauert das Stück, gespielt im Klassenzimmer.

„Wir gehen dahin, wo Mobbing passiert. Also ins Klassenzimmer“, beschreibt Kloke. Daher könne auf ein Bühnenbild auch getrost verzichtet werden, die Klasse ist die Bühne. Nach dem Stück berichtet Nils Beckmann über seine Erfahrungen. „Wenn ich das spiele, finde ich das natürlich nicht witzig“, antwortet er auf die Fragen der Schüler. Lustig finden die Schüler das auch nicht, sondern wirklich nachdenkenswert.

Getreten und geschlagen wurde Jürgen natürlich nicht, obwohl er das am Anfang angeboten hatte. Die „erste Stunde“ verlief für ihn ohne Blessuren.

Musik, Kunst & Theater: Schule der Kultur

30.01.2008 · Ruhr Nachrichten (mw)

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