07.09.2026
Zeichen gegen das Vergessen: Erinnerungsfigur für Eric Schildkraut auf dem Campus

Unsere Schülerinnen und Schüler mit Lehrer Florian Mersch vor der Erinnerungsfigur für Eric Schildkraut vor der Volksbankhalle auf dem Campus. – Bild: gymnasium-selm.de
Schülerinnen und Schüler des SGS haben sich im Geschichts-Politikkurs intensiv mit dem Leben von Eric Schildkraut beschäftigt. Gemeinsam mit außerschulischen Partnern entstand daraus ein Projekt zur lokalen Erinnerungskultur. Seit dem 16. Juli 2026 erinnert eine Acrylfigur vor der Volksbankhalle auf dem Selmer Campus an den jüdischen Sportler und Schauspieler.
Geschichte vor der eigenen Haustür
Eric Schildkraut, der unter dem Namen Erich Schild einen wichtigen Teil seiner Kindheit und Jugend in Selm verbrachte, gehörte in den 1930er-Jahren zu den schnellsten deutschen Leichtathleten. 1935 lief er die 100 Meter in 10,8 Sekunden und nahm 1934 und 1935 an Olympia-Sichtungslehrgängen teil. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 blieb ihm jedoch verwehrt: Als Jude war er im nationalsozialistischen Deutschland von Ausgrenzung und Verfolgung betroffen.
Schildkraut gelang die Flucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete später als Schauspieler und Hörspielsprecher. Er starb 1999.

Die Rückseite der Erinnerungsfigur informiert über die Biografie des jüdischen Sportlers und Schauspielers.
Der lokale Bezug machte seine Biografie auch zum Gegenstand des Unterrichts am Städtischen Gymnasium Selm. Schülerinnen und Schüler des WP-II-Geschichts-Politikkurses der Jahrgangsstufe 10 beschäftigten sich unter der Leitung von Florian Mersch mit Schildkrauts Lebensweg und den historischen Bedingungen während des Nationalsozialismus.
Neben der Recherche zu seiner Biografie ging es dabei auch um die Frage, welche Bedeutung die Erinnerung an einzelne Lebensgeschichten für die Gegenwart haben kann.
„Erinnerung ist wichtig, weil Geschichte nicht nur aus Ereignissen und Jahreszahlen, sondern vor allem auch aus Menschen besteht.“ – Julius Schaeper, Schüler des WP-II-Geschichts-Politikkurses
Vom Unterrichtsprojekt zum Erinnerungsort
Ein Ausgangspunkt für die weitere Beschäftigung mit Eric Schildkraut war die Freiluftausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“, die 2024 auf dem Campus in Selm gezeigt wurde.
Im Anschluss vertieften die Schülerinnen und Schüler ihre Recherche zu Schildkrauts Biografie. Im Austausch mit dem VIRTEUM entstand die Idee, die Erinnerung an ihn dauerhaft auf dem Campus sichtbar zu machen.

Schülerinnen und Schüler des SGS gestalten die Veranstaltung zur Enthüllung der Erinnerungsfigur mit.
Am 16. Juli 2026 wurde schließlich die von Jens Dechert nach einem historischen Foto gestaltete Acrylfigur vor der Volksbankhalle enthüllt. Die Schülerinnen und Schüler des SGS übernahmen dabei selbst die Enthüllung. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Einrichtungen sowie weiteren Gästen erinnerten sie an Schildkraut als erfolgreichen Sportler und Schauspieler, aber auch an die Ausgrenzung und Verfolgung, die er aufgrund seiner jüdischen Herkunft erfahren musste.

Bürgermeister Heinz-Georg Mors mit der enthüllten Erinnerungsfigur.

Schülerinnen und Schüler, Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Einrichtungen sowie weitere Gäste nahmen an der Enthüllung teil.
Erinnerung als Teil historischer Bildung
Die Beschäftigung mit Eric Schildkraut verbindet die Geschichte des Nationalsozialismus unmittelbar mit dem eigenen Wohn- und Schulort. Für die Schülerinnen und Schüler wird dadurch sichtbar, dass Ausgrenzung und Verfolgung nicht nur an weit entfernten Orten stattfanden, sondern auch Menschen aus der unmittelbaren Umgebung betrafen.
Das Projekt knüpft damit zugleich an das Selbstverständnis des SGS als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an. Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Ausgrenzung, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung bleibt nicht auf die historische Betrachtung beschränkt, sondern stellt immer auch die Frage nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart.

Die Enthüllung der Erinnerungsfigur brachte Schule und außerschulische Partner auf dem Selmer Campus zusammen.
Dank an die beteiligten Partner
Das Städtische Gymnasium Selm bedankt sich insbesondere bei Manon Pirags von der VHS Selm und Christiane Damberg vom VIRTEUM für die gemeinsame Arbeit und die Unterstützung bei der Umsetzung des Projekts.
Ein weiterer Dank gilt der Volksbank Selm-Bork eG, die die Realisierung der Statue finanziell unterstützt und damit ihre Umsetzung ermöglicht hat.
Die Zusammenarbeit von Schule, VHS, VIRTEUM und Volksbank hat dazu beigetragen, die Beschäftigung mit Eric Schildkraut über den Unterricht hinaus dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.

Impressionen von der Veranstaltung zur Enthüllung der Erinnerungsfigur auf dem Selmer Campus.
Mehr über Eric Schildkraut und die Schülerrecherche
Die Beschäftigung mit Eric Schildkraut endete nicht mit der Enthüllung der Statue. Die Ergebnisse der Recherche der Schülerinnen und Schüler sind ausführlich auf der Homepage des VIRTEUM dokumentiert. Dort finden sich weitere Informationen zu Schildkrauts Lebensweg, historische Hintergründe und Ergebnisse der Schülerarbeit: