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Latein als Basis für das Erlernen von Sprache

Latein
Latein ist die Basis für das Erlernen von einzelnen Sprachen und der Elemente von Sprache allgemein

Da es nicht mehr gesprochen wird, also nicht mehr der Verständigung mit anderen Menschen im täglichen Leben dient, wird heutzutage auf die Übersetzung vom Deutschen ins Lateinische verzichtet. Dadurch wird Energie frei; sie soll nicht nur dazu genutzt werden, mit dem Lateinischen die Grundlage der modernen romanischen Sprachen kennenzulernen, die sich ja alles aus ihm entwickelt haben (neben Französisch besonders Italienisch, Spanisch, Portugiesisch), sondern vor allem dazu, Einblick in Wesen und Bau von Sprache überhaupt zu bekommen, also allgemeines Sprachwissen zu erwerben, mit dessen Hilfe es leichter fällt, Kenntnisse in den modernen Sprachen zu erwerben, die man später einmal tatsächlich brauchen wird.

Ziel ist deshalb auch nicht mehr in erster Linie, die Form einzelner Wörter zu erarbeiten und in ein System zu bringen, sondern die Aufgabe dieser Formen zu erkennen, um die Sinneinheit von Sätzen erfassen und als Teil eines Textzusammenhangs begreifen zu können - also eine Grammatik zu durchschauen, die die Aufgabe der Sprache beim Erfassen der Welt erklärt.

Für diese Art der von Untersuchung der Sprache ist Latein aber nicht nur deswegen besonders geeignet, weil der Zwang zum Sprechenmüssen wegfällt. Grund ist vielmehr die spezifische Eigenart dieser Sprache, ihre Botschaften oft so zu verschlüsseln, dass Beziehungen zwischen ihren Aussagen zwar hergestellt, aber nicht ausformuliert werden.

So kann z.B. ein äußerlich gleiches Wort nicht nur als Präposition ein Satzglied einfügen (Bedeutung „mit“), sondern auch als Konjunktion einen ganzen Satz anschließen und dabei wiederum je nach Textzusammenhang entweder unterschiedliche zeitliche Bezüge herstellen („als“ oder „sooft“) oder eine Begründung („weil“) oder einen unwirksamen Gegengrund („obwohl“) oder aber einen vergleichenden Gegensatz („während“) einleiten.

Ein weiteres Beispiel ist die unterschiedliche Übersetzung desselben Wortes je nach Kontext:

„curare“:

  • a) aegrotum curare: einen Kranken pflegen / behandeln / heilen („kurieren“)
  • b) equos cibis curare: Pferde mit Futter versorgen
  • c) hortum curare: sich um den Garten kümmern

Der Leser wird also dazu gezwungen, die Funktion einzelner Elemente genau zu überprüfen. Das jedoch genügt nocht nicht, denn er muss diese Elemente in einem zweiten Schritt miteinander kombinieren und in ein anderes Medium übertragen, nämlich mit den Mitteln der eigenen Sprache auszudrücken, um auf diese Weise das richtige Verständnis des fremden Textes nachzuweißen. Dass man dadurch die muttersprachlichen Fähigkeiten immer wieder und entscheiden fördert, ist eine notwendige Folge.

Über den sprachlichen Bereich hinaus ist die hier geforderte Methode von Analyse und Synthese grundlegend für jede wissenschaftliche Arbeitsweise und daher die beste Vorbereitung für ein Studium.

Joachim Hof, stellv. Schulleiter a.D.


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