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Schulsport

Oder: „Warum müssen wir jedes Jahr das Gleiche tun?“

Sicher erinnern Sie sich noch an Ihren Schulsport, verehrte Leserin, verehrter Leser. Es gibt da ja immer wieder einige Anekdoten. Einige Bekannte erzählen Schauergeschichten von einer nahezu vormilitärischen Ausbildung. Bei anderen hieß es des öfteren: „Hier ist ein Ball. Ich muss noch mal ins Sekretariat.“ Bei wieder anderen werden Erinnerungen wach an Taue, Kletterstangen oder Reck; Geräte, an denen der oder die einzelne oftmals wie ein nasser Sack hing, andere hingegen in Windeseile den Aufstieg oder den Aufschwung absolviert hatten. Sportarten wie Badminton oder Tennis dürften den Älteren unter Ihnen aus dem Schulsport wohl nicht bekannt sein, Basketball, Volleyball oder Hockey allenfalls dank des Besuchs eines Gymnasiums.

Seit dem Schuljahr 1981/82 sind in Nordrhein-Westfalen für den Sportunterricht Richtlinien in Kraft, die für alle Schulen in gleicher Weise gültig sind. Und damit kommt dem Sport eine Sonderrolle zu, denn in allen anderen Unterrichtsfächern gelten je nach Schultyp differenzierte Richtlinien. Bei Lichte betrachtet, hat diese Sonderrolle des Sports jedoch auch ihre Berechtigung, denn die Entscheidung für den einen oder anderen Schultyp erfolgt ja nicht nach der körperlichen, sprich sportlichen, Leistungsfähigkeit.

Die Richtlinien verfolgen das Ziel, den Schülerinnen und Schülern im Laufe ihrer Schulzeit aus bestimmten Pflicht- und Wahlpflichtbereichen sportliche Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln. Über das Erlernen mehrerer Sportarten sollen sie in die Lage versetzt werden, eine Vielfalt an sportlichen Bewegungen ausführen zu können. Hierzu werden in jeder der ausgewählten Sportarten in nahezu jedem Schuljahr aufeinander aufbauende Einheiten unterrichtet, die einen Umfang von 7 bis 15 Stunden haben (einschl. Leistungsüberprüfung). In einer Zeit, in der heutige Trendsportarten gar nicht bekannt waren bzw. ein Schattendasein fristeten, ein durchaus verständliches Vorhaben.

Wie jedoch sieht die Praxis heute aus? Beispiel Geräteturnen: Im 4. Jahrgang sollen die Schüler am Reck einen Aufschwung vorlings rückwärts beherrschen. (Sie wissen sicherlich ... Das, wo man schließlich wie ein nasser Sack an der Reckstange hängt, wenn es nicht geklappt hat.) Im 7. Jahrgang haben es schließlich nach einer Übungsreihe 4 von 27 Schülern ohne Hilfe geschafft. Dabei ist beim Üben sogar großer Eifer festzustellen gewesen. Auch haben diejenigen Schüler, die es mit Hilfe geschafft haben, noch mit viel Ehrgeiz weiter geübt. Aber laut Richtlinien sollen in den 7 Turnstunden noch einige weitere Bewegungselemente insbesondere in Kürverbindungen geturnt werden. Es ist darüber hinaus erschreckend, wie wenige Schüler im Stehen und erst recht im Handstand in der Lage sind, ihren Körper ganz anzuspannen, eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Turnen.

Daneben gibt es die folgenden Reaktionen: „Warum müssen wir jedes Jahr Basketball spielen?“ – „Och, schon wieder Volleyball!“ Dies sind typische Äußerungen von Schülerinnen und Schülern, spätestens ab der Klasse 8, zu Beginn einer jeden Unterrichtseinheit. Verständlich sind diese Äußerungen, weil es erfahrungsgemäß zu Beginn einer jeden Einheit wieder gilt, ein Jahr lang nicht geübte Fertigkeiten aufzufrischen, neue Fertigkeiten zu erlernen, bei Spielen das Spiel miteinander wieder einzuüben. Am Ende einer Einheit kommen häufig Äußerungen wie: „Warum müssen wir denn jetzt wieder etwas anderes machen? Es klappt doch so gut.“ – „Schulsport soll doch Spaß machen und jetzt, wo es klappt macht uns Volleyball doch Spaß.“ Und diese Äußerungen gehen einher mit einem vielfach zu beobachtenden vorzüglichen persönlichen und mannschaftlichen Einsatz.

Zwei Dinge zeigen diese Begebenheiten aus der täglichen Praxis:

  • Die meisten Schülerinnen und Schüler sind im Sportunterricht leistungswillig. Nicht zuletzt äußert sich dies, wenn (sportlich) leistungsschwächere Schüler mit großem Ehrgeiz versuchen, persönliche Normen zu verbessern.
  • In der heutigen Zeit fehlen den Kindern und Jugendlichen vielfältige Bewegungserfahrungen, die vor einer Generation noch selbstverständlich waren. Heute hat die Computermaus der Teppichstange in der Freizeit den Rang abgelaufen. Leider wirkt sich dies auch auf den Bizeps aus. Diese fehlenden Bewegungserfahrungen kann der Sportunterricht, zumal bei den heutigen Klassengrößen, nicht nachholen.
  • Michael Preuß, aus der Festschrift 10 Jahre SGS (leicht aktualisiert)


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